остров Змеиный
Reise zur Schlangeninsel

   Ein kleines Fracht- und Passagierschiff „Kasatka“ nahm Passagiere und ging in die Donau von Basartschuk Rückstau neben Wilkowo. Der Kapitän begrüßte alle durch die Lautsprechverbindung und nahm Kurs auf die Schlangeninsel.
   Sofort nahmen die Touristen bequeme Stellen den Bord entlang und begannen das Fotoshooting der Donau.
   Ich mochte die Metapher von einem Wilkowoer Fischer, er rief die Donau „ein stattlicher grauhaariger alter Mann.“ Es wäre ein guter Vergleich. Kindheit, Jugend und die reifen Jahre des Flusses passieren stromabwärts, und bei Wilkowo kommt die Donau in die letzte Phase ihres Wegs. Nachdem das Donauwasser die Stadtstraßen waschen, verabschiedet es sich von seinem Flussstatus und wenige Kilometer danach wird es zum Meer.
   „Kasatka“ begrüßte die Gegenschiffe mit den heiseren Pfeifen und brachte uns stromabwärts der Sommer-Donau bis zum Schwarzen Meer. Das Fotoshooting beendete so schnell, wie es begonnen hatte. Die Leute bewunderten fasziniert die umliegende Naturschönheit, ohne einander zu bemerken. Alle stürzten sich in die Welt der ursprünglichen Existenz.
Ist es Lyrik? Gar nicht. Es ist ein Wunsch, einen Geistzustand des Menschen zu vermitteln, der die geistige und natürliche Schönheit des Donaudeltas begriff.

„Rudert nach unten des Vaters ruhige Donau
Vom Rand, Freunde, zum anderen Rand, bis zu einem himmlischen Paradies“

   Das sind die Worte aus altslawischen Sagen. Donau war nicht ein Fluss für die Slawen, sondern ein sakraler Fluss. In slawischen Folklore galt die Reise entlang der Donau „vom Rand zum Rand“, d.h. von der Quelle bis zur Mündung, als göttlich. Am Ende des Wegs lag ein himmlisches Paradies. Nicht ein irdisches Eden, sondern himmlisches!
   Ich frage mich, was für ein geographisches Objekt unsere Vorfahren mit dem himmlischen Paradies assoziierten?
   Skeptiker mögen sagen: „Man muss nicht so viel Aufmerksamkeit den Worten schenken. Nun, unsere Vorfahren riefen die Stelle am „Rand“ der Donau „das himmlische Paradies“, aber vielleicht nur für lyrische Schönheit oder Reimen.“
Nein, die Worte über das himmlische Paradies am „Rand“ der Donau sind nicht zufällig. Auch die alten Griechen nannten bei der Beschreibung der Donau das Deltahauptbett heilig. Und die Schlangeninsel, die gegenüber diesem Bett lag, trug Beiworte „heilig“, „göttlich“ und „geheimnisvoll.“
   Vor zweitausend Jahren kamen die griechischen Galeeren durch den Heiligen Kanal von der Donau ins Schwarzen Meer. Unsere „Kasatka“ ging auch ins Meer irgendwo geographisch neben dem alten Flussbett. Und jetzt die Meerweite und freundliche Möwen freuten die Touristen.
Die Menschen bewegten auf den Bug, jeder wollte erster sein, wer auf der Meereshorizont die geheimnisvolle Insel sehen würde.
Der griechische Geograph Pseudoschimn sprach in seiner poetischen Weltbeschreibung (ca. 90 v. u. Z.) über die Schlangeninsel und sagte, dass die Insel „ein majestätischer Anblick für die Besucher bietet“.
   Diese Worte sind mehr als zweitausend Jahre alt, aber sie beschreiben sogar in unserer Zeit genau und umfangreich das Gesehenen. Die Insel bietet wirklich „ein majestätischer Anblick für die Besucher.“
   Erst sie am Horizont als eine graue Linie austaucht, wächst sie königlich aus dem Meerblau, als man sich ihr nähert. In einem Punkt, wenn auf dem Hintergrund des blauen Meerazurblaus die ganze Insel schon zu sehen ist, scheint es, dass sie langsam entgegen kommt.
змей   Als man sich die Insel nähert, ziehen die steil aufgebenden felsigen Ufer den Blick an, als ob sie aus den Steinblöcken vom Menschen gebaut sind.
   Aber die wirkliche Größe der Insel wird gefühlt, wenn man darauf schreitet. Die Zwanzigmeterhöhe über den Meeresspiegel und der Mangel an Vegetation ermöglichen aus einem Punkt den Horizont auf allen Seiten zu sehen. Die Insel schwebt über dem Meer!
   Nach der ersten Tour über der Insel bemerkt man überrascht, dass dieses kleine Landstück ein volles Leben lebt. Hier gibt es alles, wie auf dem Festland: moderne Gebäude, gepflegte Wanderwege, tüchtige Passanten, Laden, Post und sogar eine Filiale der Sparkasse. Hinter uns erschallt eine Autohupe. UAZ fahr vorbei – die Grenzsoldaten transportierten die mit dem Schiff gebrachte Last.
   „Schlangeninsel“ ist der geografische Name der Insel, und darauf gibt es eine Siedlung namens Beliy, wo die ganze Infrastruktur vorhanden ist. Es gibt sogar eine eigene Straße hier – Kosazkaja. Touristen haben eine außergewöhnliche Möglichkeit, entlang einer inmitten des Schwarzen Meeres gelegener Straße zu spazieren!
   Dazu ist die administrative Verwaltung von der Siedlung Beliy auch sonderbar. Nebst Alaska in den USA oder Kaliningrad in Russland, ist diese Siedlung vom Hauptgebiet des Landes «losgerissen». Die Siedlung gehört zu Gemeinde Wilkowo und unterliegt damit dem Stadtrat Wilkowo. Die Entfernung bis der Stadt Wilkowo ist 52 km Wasserfläche.
???????????????????????????????   Als Hauptsehenswürdigkeit der Insel gilt ein einzigartiger Leuchtturm. Die Sonderheit dieses Baus ist mit der menschlichen Ignoranz verbunden. Ja, genau!    Besser könnte man so kaum sagen. Sehen Sie selbst: Der Leuchtturm wurde mit den Resten von einem altgriechischen Tempel errichtet. Laut den Wissenschaftlern wurde der vernichtete Tempel im VII. Jahrhundert v. Chr. gebaut. Schade. Ein bisschen Trost liegt in der Tatsache, dass diese Ignoranz eine lange Zeit zuvor stattfand, von 1837 bis 1843, in der Zeit, als sich der Leuchtturm im Bau befand.
   Als Entschädigung für den vernichteten Tempel dürfen Touristen eine steile Treppe bis die Leuchtturmspitze hinaufsteigen, zum in der Nacht blinkenden Scheinwerfer. Das Hinaufsteigen auf den Leuchtturm könnte man als bedeutende Tat betrachten. Wenn Sie einmal diesen Leuchtturm bestiegen haben, das bedeutet, Sie haben den höchsten Punkt des Schwarzen Meeres besucht. Das ist der einzige Leuchtturm, der sich im offenen Meer befindet.
Nachdem Sie sich in Einsamkeit zurückzogen und auf dem Felsenufer der Insel gemütlich setzten, können Sie sich in Gedanken in 1788 zurückversetzen (damals hieß die Insel Fidonisi). Genau hier, in optischer Weite, fand der berühmte Schlacht von Fidonisi. Das russische Geschwader aus 20 Schiffen unter der Leitung vom jungen Kommandeur der Avantgarde Fedor Uschakow zerschlug die türkische Flotte aus 50 Schiffen. Um sich mehr anschaulich vorzustellen, denken Sie über das Bild „Schlacht von Fidonisi“ von Ajwasowski.
   Wenn Ihnen keine Gedanken über die Schlacht von Fidonisi gut einfallen, dann können Sie über den Namen von dieser Insel überlegen. Es gab eine Phrase im Film „Moskau glaubt an Tränen nicht“: „Georgi Iwanowitsch, alias Goga, alias Goscha…“. Ähnliche Metamorphosen haben auch mit unserer Insel passiert: sie hieß Lewka, Weissinsel, Makaroni, Achilla, Philoxia, Fidonisi, alias Schlangeninsel.
музей   Es gibt auch ein hiesiges Museum auf der Insel. Man kann nicht sagen, dass das Museum an Schaustücken reich ist, doch der Geist der tausendjährigen Zeittiefe ist da anwesend. Das wichtigste ist, dass das Museum existiert und möglicherweise in kurzer Zeit wird dieses Museum weltberühmt.
   Die Annahme über der Weltberühmtheit des Museums ist durchaus begründet. Auf die Insel haben Wissenschaftler großes Interesse gezeigt: Archäologen, Biologen, Geologen, Astronomen, Ozeanographen und viele andere spezialisierte Fachkräfte. Die Insel ist ja klein, aber ein wissenschaftliches Interesse daran ist groß. Und die Insel schenkt der Wissenschaft die neuen und neuen Entdeckungen. In den letzten Jahren registrierten unsere Wissenschaftler hier ein paar anomale Erscheinungen. Ungewöhnlich, dann aus unerklärlichen Gründen, welche die Wissenschaft nicht erklären kann.
   Leute, die die Schlangeninsel besuchen wollen, sollen wissen, dass die Hauptsehenswürdigkeit der Insel nicht zu sehen ist. Aber sie ist geistlich zu empfinden. Dazu muss man wissen, dass die Insel eine sakrale Bedeutung für die Altgriechen trug. Damals durften Leute nur zwecks Opferungen die Insel besuchen. Einfache Leute durften auf der Insel nicht nur wohnen, sondern auch da übernachten, es wurde unter Todesdrohung verboten. Nur Priester durften da bleiben.
   Die alten Griechen setzten die Insel neben dem „Eingang zum Reich des Todes“. Zum ersten Blick ist diese Bestimmung als Mythos. Aber nachdem man die Besonderheiten des Schwarzen Meeres kennenlernt, wird es ihm offensichtlich, dass sich die Insel wirklich neben dem Eingang zum Reich des Todes befindet. Die maximale Tiefe des Schwarzen Meeres ist 2212 m, und die Durchschnittstiefe beträgt 1290 m. Seit die Tiefe von 150 m und weiter unten ist das Meereswasser mit Schwefelwasserstoff saturiert. In einem solchen Flüssigkeitsmaterial ist das Leben unmöglich, nur Schwefelwasserstoff ausscheidende Bakterien sind hier zu finden.    Das ist das Reich des Todes, das Reich von Finsternis und Kälte. Sieh mal die Altgriechen an! Das Wort «alt» ist bei uns, die nicht alt sind, mit Nichtwissen verbunden, doch es stellt sich heraus, dass die Alten viel wussten, und manchmal wussten sie mehr, als wir heute.
   Dieselbe Altgriechen ließen einen mythologischen Nachlass über der Seele von Achilles, die auf der Gottesinsel Leuka lebt.
   Die ganze mit der Insel verbundene Mythologie und alle historisch-archäologischen Forschungen sind mit Achilles verbunden. Deshalb parallel zu anderen Toponymen trug die Insel den Namen von Achilles, und der sich auf der Insel befindende Tempel wurde Achilles-Tempel genannt. Und darin liegt das Geheimnis.
   Man weiß nicht, ob die Götter den Verbot für Erdensöhne auf die Insel zu wohnen aufgehoben haben, doch die Verwaltung der Siedlung Beliy bewilligt den Touristen eine Übernachtung auf der Insel.
???????????????????????????????   Der nächtliche Sternhimmel, der Spiegelung des Mondes und der Sterne im Wasser ist kaum zu beschreiben. Stille. Geruch. Sterne. Mond. Meer. Und ein Gefühl, dass all DAS und deine «ICH» integral und unteilbar ist. Raum und Zeit fließen zusammen…
   Satt mit der Natur, konnten manche Touristen bis morgenfrüh nicht schlafen. Sie spazierten durch die Insel, mit der Hoffnung die Seele von Achilles zu treffen. Hat diese Begegnung stattgefunden? Man weiß es nicht. Niemand sagte etwas darüber am nächsten Tag. Dazu hatte man keine Zeit dafür, da alle Leute den Sonnenaufgang bewunderten.
   Menschen wissen nicht, mit welchen Kriterien die göttliche Schönheit bestimmt wird, aber ein Sonnenaufgang über dem Meeresspiegel könnte man kaum anders nennen. Eine göttliche Schönheit!
   Das Schiff «Kasatka» ging immer weiter von der Insel ab. Die Leute standen auf dem Deck und sich verabschiedeten, schweigend und mit Wehmut, von der göttlichen und geheimnisvollen Insel.
   Niemandem hat die Insel ihr Geheimnis anvertraut.

Verfasser: Walerij Iwanowitsch